Als Inhaberin einer kleinen unabhängigen Buchhandlung in Würzburg bewerbe ich mich seit vielen Jahren um den Deutschen Buchhandlungspreis und habe diesen auch bereits mehrfach erhalten. Wie viele Kolleg*innen nehme ich den erheblichen Aufwand dieser Bewerbung jedes Jahr erneut auf mich – nicht aus Eitelkeit, sondern weil das Preisgeld für inhabergeführte Buchhandlungen tatsächlich existenzielle Bedeutung haben kann.
Umso irritierender ist, wie wenig transparent das Verfahren seit Jahren ist. Die Kriterien, nach denen entschieden wird, bleiben weitgehend unklar. Man beschreibt in der Bewerbung das eigene Engagement: Veranstaltungen, Leseförderung, Kooperationen mit Schulen, kulturelle Arbeit im Stadtteil. Ob und warum das am Ende ausreicht oder nicht, erfahren Bewerber*innen jedoch nicht. Für viele fühlt sich das Verfahren deshalb eher wie eine Lotterie an als wie eine nachvollziehbare Auszeichnung – ein Gießkannenprinzip, das viel Unfrieden in der Branche schafft.
In diesem Jahr kam hinzu, dass die Bewerbungsfrist auf vier Wochen verkürzt wurde und zudem in die Schulbuchzeit beziehungsweise – wie in Bayern – in die Ferienzeit fiel. So opferten viele Kolleg*innen ihre wenigen freien Abendstunden, denn in der Schulbuchzeit bleibt kaum Luft, oder nutzten – so wie ich – ihren ohnehin extrem knappen Urlaub, um die Bewerbung zu erstellen.
Zugleich verzögerte sich die Entscheidung über Monate, ohne jede Information zum Stand des Verfahrens – für Buchhandlungen, für die dieses Preisgeld wirtschaftlich relevant ist, eine schwer erträgliche Hängepartie.
Nun wird zudem berichtet, dass Kulturstaatsminister Wolfram Weimer drei Buchhandlungen nachträglich vom Preis ausgeschlossen hat, weil sie vom Verfassungsschutz beobachtet würden. Damit greift die Politik offenbar in eine bereits getroffene Juryentscheidung ein und macht eine bloße Beobachtung durch den Verfassungsschutz zum Ausschlusskriterium. Ein solcher Eingriff wirft erhebliche Fragen auf: nach Transparenz, nach der Unabhängigkeit des Auswahlverfahrens und nicht zuletzt nach dem Umgang mit kultureller und politischer Vielfalt im Buchhandel.
Das ist unerträglich und brandgefährlich.
Wir Buchhändler*innen stehen für Meinungsfreiheit, Bildung, differenzierte Betrachtungen, Kulturförderung und vielfältige politische Perspektiven. Inhabergeführte Buchhandlungen sind ein wichtiges Rückgrat unserer demokratischen Kultur, denn wir leisten weit mehr als den Verkauf von Büchern. Wir organisieren Lesungen, fördern Kinder beim Lesenlernen, schaffen Orte der Begegnung und tragen zur kulturellen und demokratischen Bildung in unseren Stadtteilen bei.
Zugleich halten wir bewusst Bücher im Sortiment, die keine Verkaufsschlager sind, damit die Vielfalt der Literatur erhalten bleibt und das Kulturgut Buch seine inhaltliche Tiefe behält.
Wenn dieses Engagement ausgezeichnet werden soll – was grundsätzlich sehr zu begrüßen ist –, dann sollte das Verfahren nachvollziehbar, transparent und fair sein.
Petra Pohl,
Inhaberin der Buchhandlung erLesen, Würzburg